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14.07.2016 18:27 Alter: 10 yrs
Kategorie: Leichtathletik
Hobby Leistungssport
Ein Leben für die Leichtathletik: Sabrina Zeug von der SG Hausham trainiert nach der Arbeit und gehört dennoch zu Bayerns besten Werferinnen.
Gerade sind die Europameisterschaften der Leichtathletik in Amsterdam zu Ende gegangen - die Olympischen Spiele, die vom 5. bis 21. August in Rio de Janeiro stattfinden, stehen schon vor der Tür. Großer Sport für die internationalen TV-Kameras. Davon ist Sabrina Zeug weit entfernt. Die 24-Jährige aus Hausham lebt eine andere Leichtathletik. Keine Profi-Strukturen, kein Trainerstab, keine über den Tag verteilten Trainingspläne. Die Pharmazeutisch-Technische Assistentin trainiert nach der Arbeit. Leichtathletik nach Feierabend also. Titel sammelt sie trotzdem.
Auf Landesebene hat sich Zeug in ihren Disziplinen Kugelstoßen, Diskuswurf und Speerwurf in die Spitzengruppe gearbeitet. „Ich bin Bayerische Meisterin mit der Kugel und Vizemeisterin mit dem Diskus“, zählt sie eher schüchtern auf. Mit Platzierungen zu jonglieren ist nicht so ihr Ding. Dabei hat sie schon einiges erreicht. Bei der Süddeutschen Meisterschaft wurde sie Vierte im Kugelstoßen - ebenso in der Halle - sowie Sechste im Diskuswerfen und Zehnte im Speerwerfen. Bei der Oberbayerischen wurde sie zudem Vierte mit dem Speer.
Dafür tut die 24-Jährige viel. „Ich gehe um 7.30 Uhr zur Arbeit. Und nach der Arbeit zum Training.“ Von 19.30 bis 22 Uhr steht sie dann auf dem Platz der SG Hausham. „Das geht aber nur, weil der Hans so flexibel ist. Kein anderer Trainer würde das so machen“, sagt sie.
Der Hans, das ist Hans Zenzinger. Der 75-jährige Leichtathletik-Trainer ist Ruheständler und passt sich dem Zeitplan seiner Athletin an.
Die beiden verbindet nicht nur das Z als Anfangsbuchstabe des Nachnamens. Zenzinger war es, der Zeug im Alter von 13 oder 14 Jahren mit ein paar anderen jungen Leichtathleten unter seine Fittiche nahm, als sie damals bei der SG in der zweiten Reihe standen. Er brachte sie, als nach der Grundausbildung die Spezialisierung anstand, zu den Wurfdisziplinen und übernahm ihr Training wieder, als die junge Athletin wegen ihrer Ausbildung davor stand, die Leichtathletik zu beenden.
In den vergangenen Jahren hat Zeug hart an sich gearbeitet. Bei der Kugel, ihrer stärksten Disziplin, hat sie sich von neun auf 13,81 Meter entwickelt. Mit viel Training. Fünf Einheiten pro Woche absolviert sie im Sommer bei Wettkämpfen, sechs bis sieben ohne Wettkampf. Im Winter sind es sieben. Wobei eine Einheit zweieinhalb Stunden umfasst. „Mittwochs habe ich frei“, erklärt die 24-Jährige, die nebenbei auch noch die Leichtathletik-Sparte der SG Hausham leitet. „Dann kann ich vormittags und nachmittags trainieren.“ Sonst sei das Pensum nicht zu schaffen.
Zeug mag die Arbeit auf dem Platz. „Es ist ein Gegengewicht zur Arbeit“, sagt sie. Sport hat sie schon immer gemocht. Radfahren, Rodeln - sie hat schon einiges ausprobiert. Aber in der Leichtathletik fühlt sich die Werferin zu Hause. Die Disziplin, die dafür unerlässlich ist, bringt sie auf: „Klar habe ich auch manchmal Couch-Tage, aber da muss ich durch. Mein Hobby ist Leistungssport. Wenn ich auf dem Platz stehe, ist alles wieder gut.“
Zumal es Ziele gibt, die sie erreichen will - auch wenn sie mit 1,70 Metern Körpergröße an die zehn Zentimeter zu klein ist, um international mithalten zu können. Die Physik, Abstoßhöhe und Hebelwirkung lassen sich eben nicht außer Kraft setzen.
Aber auf nationaler Ebene ist noch etwas drin. Möglichst nah heranzukommen an die besten zehn Kugelstoßerinnen oder Diskuswerferinnen in Deutschland - das ist das Ziel. Die Chance hat sie noch. „Ich habe noch bis zum Alter von 28 Jahren Zeit, langsam die nötige Kraft aufzubauen“, erklärt sie. Denn nur über Kraft könne sie die physischen Nachteile ausgleichen. Aktuell liegt sie national zwischen Platz 20 und 25 beim Kugelstoßen.
Ob sie auf einem guten Weg ist, kann Zeug am Wochenende beweisen. Am 16./17. Juli finden in Erding die Bayerischen Meisterschaften 2016 statt. Die Ellbogenverletzung, die sie zuletzt behindert hatte, ist wohl überstanden. Die Titelverteidigung ist drin. Sollte es klappen, es wäre ein schöner Erfolg für den Leistungssport nach Feierabend.
Quelle: Miesbacher Merkur vom 14.7.2016